"Insbesondere der jungen Generation ist der Teamzusammenhalt enorm wichtig. Daher organisieren wir jedes Jahr eine Azubi-Challenge, über die wir dann auf unseren sozialen Plattformen berichten."
In dieser Folge unserer Interviewreihe 4 Fragen an gibt uns Kirsti Kutzbach, Prokuristin der Firma Viellechner Dachdeckermeister GmbH, einen Einblick in den Stand der Digitalisierung Ihres Handwerksbetriebes. Ihr Mann ist Geschäftsführer und Eigentümer des Dach- und Holzbauunternehmens. Sie ist für Marketing, Personalführung und das Thema Ausbildung verantwortlich. Der Betrieb brachte schon drei Azubi-Landessieger aus dem Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks hervor. Welche spezielle Rolle die Digitalisierung dabei spielte, verrät sie uns im Interview.  
Hal­lo Frau Kutz­bach, wie ist der Stand der Digi­ta­li­sie­rung in Ihrem Unternehmen?

Im Ver­gleich zu an ande­ren Hand­werks­un­ter­neh­men sind wir schon recht gut auf­ge­stellt. Wenn nicht sogar schon sehr weit vorn. Aber auch wir haben bestimmt noch Luft nach oben.

Mein Mann hat das Unter­neh­men 2015 über­nom­men. Damals arbei­te­ten im Betrieb 25 Leu­te. Inzwi­schen haben wir 50 Mitarbeiter/innen. Durch die hohe Anzahl an Mitarbeiter/innen und Bau­stel­len, die wir koor­di­nie­ren müs­sen, sind wir auf digi­ta­le Lösun­gen angewiesen.

Wir wen­den ver­schie­de­ne Soft­ware beim gesam­ten Manage­ment von Auf­ga­ben und Pro­jek­ten, wie bei­spiels­wei­se bei der Bau­stel­len­pla­nung, an. Außer­dem ver­wen­den wir sie bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Büro und Bau­stel­le. Hier sehe ich die größ­te Erleichterung.
Durch die hohe Anzahl an Mitarbeiter/innen und Bau­stel­len lässt sich das alles nicht mehr wie frü­her tele­fo­nisch orga­ni­sie­ren. Dafür benut­zen wir heu­te die App Slack. Das ist ein Mes­sen­ger wie Whats­App, nur bes­ser, mit ver­schie­de­nen Bau­stel­len-Chan­nels. Hier­über las­sen sich aktu­el­le Infos zu Bau­be­spre­chun­gen sowie Plä­ne von der Geschäfts­lei­tung ein­spei­sen, so dass die Mitarbeiter/innen immer auf dem Lau­fen­den sind. In die Plä­ne kön­nen die Mitarbeiter/innen dann ihre Bau­stel­len­do­ku­men­ta­ti­on ein­fü­gen. Das ist unheim­lich prak­tisch. Man ist dadurch nicht stän­dig auf Erreich­bar­keit ange­wie­sen. Jeder kann es von unter­wegs nut­zen, wenn er Zeit hat.

Außer­dem ver­wen­den wir zwei Droh­nen für Dach­auf­ma­ße. Da haben wir eini­ge affi­ne Mitarbeiter/innen extern geschult.

Das sind nur zwei Bei­spie­le für die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung in unse­rem Unter­neh­men. Gene­rell sind wir immer offen gegen­über neu­en digi­ta­len Tools. Wir pro­bie­ren vie­le Din­ge aus und schau­en, ob sie gut funk­tio­nie­ren. Und wenn sich etwas bewährt, dann bau­en wir das aus.

Was sind aus Ihrer Sicht die größ­ten Chan­cen, die sich aus der Digi­ta­li­sie­rung ergeben?

Am wich­tigs­ten sind Ver­füg­bar­keit und Auf­find­bar­keit von Infor­ma­tio­nen. Die gesam­te Kom­mu­ni­ka­ti­on von Archi­tek­ten, die Ergeb­nis­se und Pro­to­kol­le aus Bau­be­spre­chun­gen, Nach­trä­ge – das alles kön­nen wir digi­tal allen Mitarbeiter/innen zur Ver­fü­gung stel­len. Dadurch gehen auch weni­ger Infor­ma­tio­nen ver­lo­ren als bei­spiels­wei­se bei Tele­fo­na­ten. Außer­dem ist die Auto­ma­ti­sie­rung eine enor­me Zeit­er­spar­nis, sie­he Nach­be­stel­len und Fleet-Lösun­gen. Im Bereich Pro­jekt­pla­nung las­sen sich dadurch viel kom­ple­xe­re Struk­tu­ren mana­gen, als es ana­log der Fall wäre. Das ist ins­be­son­de­re bei grö­ße­ren Unter­neh­men sehr wichtig.

Auch im Bereich Mar­ke­ting kann man sich über Social Media-Kanä­le einem viel brei­te­ren Publi­kum von Kun­den und von poten­zi­el­len Mitarbeiter/innen prä­sen­tie­ren. Wir selbst betrei­ben einen Face­book und zwei Insta­gram-Accounts. Auf dem Account viellechner_hw geht es dar­um, uns als Hand­werks­un­ter­neh­men zu prä­sen­tie­ren. Hier zei­gen wir, was ein/e Dachdecker/in, ein/e Zimmerer/in oder ein/e Klempner/in so macht. Denn wir betrei­ben ja die­se drei ver­schie­de­nen Gewer­ke. Und auf dem Account dachdecker.ausbildung.berlin dreht sich alles um das The­ma Aus­bil­dung. Hier zei­gen wir, was für ein tol­ler Aus­bil­dungs­be­trieb wir sind. Aus­bil­dung ist näm­lich unser Ste­cken­pferd. Dafür sind wir auch bekannt und mehr­fach aus­ge­zeich­net wor­den. In den letz­ten Jah­ren hat­ten wir schon zwei Lan­des­sie­ger von den Dachdecker/innen und einen von den Zimmerer/innen. Und dar­auf sind wir auch sehr stolz.

Wor­in lie­gen die größ­ten Risi­ken, wenn ein Unter­neh­men die Digi­ta­li­sie­rung verschläft?

Nicht sicht­bar und nicht auf­find­bar zu sein sind mit die größ­ten Risi­ken. Heu­te schaut kein Mensch mehr ins Bran­chen­buch oder die Gel­ben Sei­ten. Des­we­gen ist es sinn­voll, die digi­ta­len Platt­for­men für die Unter­neh­mens­prä­sen­ta­ti­on zu nut­zen. Außer­dem kann man über eine bestimm­te Betriebs­grö­ße gar nicht hin­aus­kom­men, wenn man nur ana­log arbei­tet. Man kann sich natür­lich auch auf einen klei­nen Bereich spe­zia­li­sie­ren und da ziem­lich gut drin sein, aber es kann auch sein, dass man dann unter­geht. Gera­de hier in Ber­lin ist so viel zu tun. Da lohnt es sich, wenn man vie­le Spar­ten bedie­nen kann und das funk­tio­niert irgend­wann nur noch über ein digi­ta­les Prozessmanagement.

Wie kann man das The­ma für die Anspra­che der Jugend­li­chen nut­zen? Stich­wort Nachwuchsakquise.

Wir orga­ni­sie­ren jedes Jahr eine Azu­bi-Chal­len­ge. Da laden wir alle Bewerber/innen über unse­re sozia­len Platt­for­men ein und dann gibt es klei­ne Chal­len­ges aus dem hand­werk­li­chen Bereich. Das kommt immer sehr gut an und ist auch gut fürs Team­buil­ding. Sol­che Events las­sen sich dann wun­der­bar auf den sozia­len Platt­for­men teilen.

Und unse­re Social Media-Akti­vi­tä­ten haben auch einen Effekt auf unse­re Mitarbeiter/innen. Vie­le schau­en sich gern die Fotos an und wol­len mit­ma­chen. Gera­de in der heu­ti­gen Zeit und vor dem Hin­ter­grund des Fach­kräf­te­man­gels sind die emo­tio­na­len Wer­te viel wich­ti­ger, um neue Mitarbeiter/innen zu gewin­nen. Ins­be­son­de­re der jun­gen Genera­ti­on ist der Team­zu­sam­men­halt enorm wich­tig. Social Media hat ein­fach einen Rund­um­ef­fekt: Man prä­sen­tiert sich nach außen und gleich­zei­tig strahlt das zurück nach innen.

Vie­len Dank für das span­nen­de Inter­view und alles Gute für die Zukunft!

Drohnenflug über den Dächern Berlins

Abschlussfoto der Azubi-Challenge

© Fotos: Viel­lech­ner Dach­de­cker­meis­ter GmbH


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