„Dass wir die Verbindung aus analogem und digitalem Arbeiten anbieten, ist tatsächlich ein Grund, weshalb sich viele Jugendliche bei uns bewerben.“
In dieser Folge unserer Interviewreihe 4 Fragen an gibt uns Bernadette Klar und Dirk Hoppenheit, Leiter des Zahntechniklabors Rübeling + Klar Dentallabor GmbH, einen Einblick in den Stand der Digitalisierung Ihres Handwerksbetriebes.  
Wie ist der Stand der Digi­ta­li­sie­rung in Ihrem Unternehmen?

Wir sind bereits auf einem guten Weg. Eini­ge unse­rer Berei­che haben schon einen sehr hohen
Digi­ta­li­sie­rungs­grad, ande­re Berei­che sind noch ziem­lich ana­log. Aber wir haben den Ehr­geiz, uns
stän­dig wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. In eini­gen Berei­chen hat die Digi­ta­li­sie­rung neue Mög­lich­kei­ten eröff­net, denn es gibt zum Bei­spiel neue Mate­ria­li­en für den Zahn­ersatz, die nur mit Hil­fe digi­ta­ler Tech­no­lo­gien ver­ar­bei­tet wer­den kön­nen. Wir ver­fü­gen über Scan­ner, spe­zi­el­le Soft­ware, CNC-Fräs­ma­schi­nen und 3D-Dru­cker, die bei uns täg­lich zum Ein­satz kommen.

Was sind aus Ihrer Sicht die größ­ten Chan­cen, die sich aus der Digi­ta­li­sie­rung ergeben?

Durch die Digi­ta­li­sie­rung kön­nen immer mehr Arbeits­schrit­te stan­dar­di­siert und die Qua­li­tät gestei­gert wer­den. Es ent­ste­hen kom­plett neue Struk­tu­ren, die ein effi­zi­en­tes Arbei­ten ermög­li­chen. Ein Vor­teil besteht auch in der Mög­lich­keit, neue und bes­se­re Mate­ria­li­en zu ver­ar­bei­ten, um den Zahn­ersatz am Ende noch nach­hal­ti­ger und ästhe­ti­scher zu gestal­ten. Man kann mit­hil­fe von spe­zi­el­len kera­mi­schen Mate­ria­li­en zum Bei­spiel ein natür­lich wir­ken­des Licht­ver­hal­ten des Zahn­ersat­zes erzie­len. Des Wei­te­ren kön­nen noch genaue­re Ergeb­nis­se erzielt wer­den, denn durch die digi­ta­le Bild­schirm­ar­beit sind Ver­grö­ße­run­gen um das 20 bis 30-fache mög­lich, was einer viel  stär­ke­ren Ver­grö­ße­rung als an den bei uns nor­ma­ler­wei­se ver­wen­de­ten Mikro­sko­pen ent­spricht. Zahn­ersatz­tei­le kön­nen so genau­er designt und umge­setzt wer­den. Wer­den alle Arbeits­schrit­te digi­tal gehal­ten, kann man zudem Feh­ler­quel­len aus­he­beln, die sich bei einem Wech­sel von ana­lo­gen und digi­ta­len Schrit­ten schnel­ler ein­schlei­chen können.

Wor­in lie­gen die größ­ten Risi­ken, wenn ein Unter­neh­men die Digi­ta­li­sie­rung verschläft?

Die Risi­ken beim Ver­säu­men der Digi­ta­li­sie­rung sind für ein Dent­al­la­bor enorm. Die Zahn­ärz­te selbst
wer­den immer digi­ta­ler; anstatt Abdrü­cke zu neh­men wer­den Intra­o­ral­scans gemacht. Im Grun­de genom­men müs­sen wir zuneh­mend vor den Zahn­ärz­ten digi­tal sein, sonst kön­nen wir deren Ansprü­che nicht erfül­len und bestimm­te Auf­trä­ge gar nicht erst annehmen.

Wie kann man das The­ma für die Anspra­che der Jugend­li­chen nut­zen? Stich­wort Nachwuchsakquise.

Genera­ti­on Z und Alpha wird noch digi­ta­ler ins Leben star­ten als die Genera­tio­nen zuvor. Somit passt die all­ge­mei­ne Digi­ta­li­sie­rung im Hand­werk sogar gut ins Bild, denn schon in den Schu­len wird kom­plex pro­gram­miert und mit CAD Pro­gram­men 3D Objek­te erstellt und animiert.
Die Rah­men­lehr­plä­ne für die Aus­bil­dung, beinhal­ten unse­rer Mei­nung nach noch zu wenig Lehr­ma­te­ri­al betref­fend der digi­ta­ler Fer­ti­gung. Was die­se nicht her­ge­ben, kön­nen wir aber trotz­dem abde­cken, so unser Stand­punkt. Kro­nen und Brü­cken her­zu­stel­len ist im Rah­men­lehr­plan zum Bei­spiel noch als ana­lo­ger Arbeits­pro­zess vor­ge­se­hen, aller­dings wer­den 90–95 % die­ser Arbei­ten bei uns digi­tal her­ge­stellt. Dass wir die Ver­bin­dung aus ana­lo­gem und digi­ta­lem Arbei­ten anbie­ten, ist
tat­säch­lich ein Grund, wes­halb sich vie­le Jugend­li­che bei uns bewerben.
Wir zäh­len zu den größ­ten Zahn­tech­nik­la­bo­ren Deutsch­lands und kön­nen den kom­plet­ten digitalen
Work­flow abbil­den, aber das ist nicht die Regel. Man muss immer im Auge behal­ten, dass sich die Anschaf­fung bestimm­ter Maschi­nen, wie zum Bei­spiel der Fräs­ma­schi­ne, für ein klei­nes Labor nicht unbe­dingt lohnt. Demen­ent­spre­chend sind auch die Digi­ta­li­sie­rungs­fort­schrit­te in unse­rer Bran­che nicht all­ge­mein zu betrach­ten, auch wenn man sich im Gro­ßen und Gan­zen immer wei­ter anpasst.

Vie­len Dank für das span­nen­de Inter­view und alles Gute für die Zukunft!


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