12.03.2019

Interview mit Sabine Gryczke

Schulleiterin Sabine Gryczke

Vom 18. bis 22. Febru­ar 2019 erprob­ten Schü­le­rIn­nen der sechs­ten Klas­sen in der Gus­tav-Fal­ke-Grund­schu­le im Rah­men einer Pro­jekt­wo­che zum The­ma „Erneu­er­ba­re Ener­gi­en und 3D-Kon­struk­ti­on“ die 3D-Druck­tech­nik. Das Gan­ze wur­de unter der Schirm­herr­schaft von Modul e.V. in Koope­ra­ti­on mit dem Solar-Dorf Kett­manns­hau­sen e.V. durch­ge­führt.
In einem Inter­view ver­rät Schul­lei­te­rin Sabi­ne Grycz­ke mehr über das beson­de­re Pro­fil ihrer Schu­le und die Not­wen­dig­keit der Aus­rich­tung auf neue Tech­no­lo­gi­en.

Was ist das beson­de­re Pro­fil Ihrer Schu­le?

Unser Pro­fil ist mitt­ler­wei­le sehr viel­ge­stal­tig. In den Natur­wis­sen­schaf­ten sind wir gut auf­ge­stellt. Die begin­nen bei uns bereits ab der 1. Klas­se mit einem Schwer­punkt auf Expe­ri­men­tie­ren. Hier­für haben wir auch eine eige­ne Lern­werk­statt. Das Gan­ze wird nun noch durch ein Sprach­bil­dungs­kon­zept unter­stützt. Das beinhal­tet, dass jedes Kind ein­mal jähr­lich einen Sprach­test absol­viert und dann einer Sprach­bil­dungs­grup­pe zuge­ord­net wird. Wir haben der­zeit 47 Sprach­bil­dungs­grup­pen mit einer Grö­ße von acht bis maxi­mal zwölf Kin­dern.
Der­zeit wei­ten wir das bestehen­de Pro­fil noch wei­ter auf ein MINT-Pro­fil aus. MINT bedeu­tet Mathe­ma­tik, Infor­ma­tik, Natur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik. Im Bereich Mathe haben wir bereits ein neu­es Kurs­sys­tem und auch hier schon gutes Feed­back erhal­ten. Der zwei­te Bereich ist Infor­ma­tik. Dazu gehört bei­spiels­wei­se Pro­gram­mie­ren und Robo­ter bau­en. Das machen wir bereits bei­des an unse­rer Schu­le.
Die Arbeit mit 3D-Dru­ckern könn­te das zukünf­ti­ge Pro­fil ganz wun­der­bar ergän­zen. Daher bin ich sehr froh, dass Modul e.V. an uns her­an­ge­tre­ten ist und wir das in die­ser Woche ein­mal aus­pro­bie­ren und schau­en ob das über­haupt an einer Ber­li­ner Grund­schu­le funk­tio­niert.

Wie ist Ihr ers­ter Ein­druck vom Ein­satz der 3D-Tech­nik in Ihrer Schu­le?

Ich glau­be, dass es sehr gut funk­tio­niert. Und vor allem sehe ich,  dass es den Kin­dern wirk­lich Spaß macht und das ist das Ent­schei­den­de.
Sie müs­sen Fra­gen an die Welt stel­len, expe­ri­men­tie­ren und sich so die Welt erschlie­ßen kön­nen. Daher bin ich der Auf­fas­sung, dass man die­sen Teil der Infor­ma­tik auch in der Grund­schu­le ver­or­ten soll­te. Es muss natür­lich deut­lich run­ter gebro­chen wer­den. Aber das Ent­schei­den­de ist, Inter­es­se zu wecken und Freu­den zu berei­ten. Denn die hält die Kin­der dann, wenn es zuneh­mend kogni­ti­ver wird, bei der Stan­ge.

Was haben Sie sich für die kom­men­den Jah­re vor­ge­nom­men?

Wir wol­len uns ger­ne mal Schu­len in Thü­rin­gen anschau­en, die teil­wei­se schon mit der 3D-Tech­nik arbei­ten. Anschlie­ßend ver­su­chen wir das im Design eines mög­li­chen Modell­ver­su­ches umzu­set­zen. Außer­dem wol­len wir gern im nächs­ten Som­mer mit einem MINT-Modell fürs Land Ber­lin star­ten kön­nen. Hier ste­hen wir in Koope­ra­ti­on mit zwei wei­te­ren Schu­len.
Ein wei­te­res Pro­jekt, das wir wei­ter vor­an­brin­gen wol­len ist die durch­gän­gi­ge Demo­kra­tie­bil­dung. Alle Erzie­her der Schu­le durch­lau­fen der­zeit eine drei­jäh­ri­ge Fort­bil­dung auf Grund­la­ge eines Kon­zepts, zu dem gehört bei­spiels­wei­se die Stär­kung des Kin­des und dem Auf­zei­gen, dass jedes Kind hier will­kom­men ist.
Ich sehe Schu­le als Expe­ri­men­tier­feld des spä­te­ren mün­di­gen Bür­gers, der Ver­ant­wor­tung über­neh­men soll. Daher soll­te es nicht nur dem Geschichts- oder Sozi­al­kun­de­un­ter­richt über­las­sen wer­den, son­dern sehr viel brei­ter auf­ge­stellt wer­den. Wir besit­zen jetzt schon ein Schü­ler­par­la­ment und einen eige­nen Schü­ler­haus­halt mit eige­nem Bud­get, das wir dan­kens­wer­ter Wei­se von der Schul­ver­wal­tung erhal­ten. Außer­dem haben wir vie­le Gemein­schafts­diens­te wie Kon­flikt­lot­sen, einen Schul­sa­ni­täts­dienst und EDV-Lot­sen. Das Gan­ze wol­len wir wei­ter vor­an­trei­ben und aus­bau­en.

Wie schät­zen Sie das Ange­bot von Modul e.V. „Erneu­er­ba­re Ener­gi­en und 3D-Kon­struk­ti­on und 3D-Druck“ ein?

Ich glau­be das Ange­bot von Modul kommt genau zum rich­ti­gen Zeit­punkt. Denn frü­he Begeg­nun­gen kön­nen zukunfts­wei­send für Kin­der sein. Und The­men wie nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten und erneu­er­ba­re Ener­gi­en wer­den ihre zukünf­ti­ge Lebens- und Arbeits­welt bestim­men. Die Eltern sind in der Regel nicht dar­auf vor­be­rei­tet und in der Gesell­schaft wird es auch noch nicht hin­rei­chend dis­ku­tiert. Inso­fern wäre es ein Ver­säum­nis, wenn Schu­le nicht dar­auf reagiert.
Wir über­le­gen jetzt schon wie ein klei­nes Cur­ri­cu­lum für den Bereich aus­se­hen könn­te. Das gan­ze Design wird noch­mal wich­tig sein, dh. mit wie­viel Stun­den soll es dann regu­lär im Unter­richt ver­an­kert sein, soll es ein Basis­mo­dul oder ein Addi­t­um geben oder wird es frei wähl­bar sein.

Und noch eine letz­te per­sön­li­che Fra­ge: Wel­che Eigen­schaf­ten muss man als Schul­lei­te­rin einer Grund­schu­le mit­brin­gen?

Es ist die Kom­bi­na­ti­on aus Vor­stel­lungs­ver­mö­gen, wie gute Schu­le aus­se­hen könn­te ver­bun­den mit einer hohen Sozi­al­kom­pe­tenz und einer hohen Belast­bar­keit. Denn Grund­schu­le hat nur zwei Funk­ti­ons­stel­len: die Schul­lei­tung und die Stell­ver­tre­te­rin, dh. wir haben kein mitt­le­res Manage­ment, das die Fra­gen unse­rer mitt­ler­wei­le 82 Mit­ar­bei­te­rIn­nen abfe­dern kann. Wenn sie etwas auf den Weg brin­gen wol­len, dann müs­sen sie die Zustim­mung des gesam­ten Kol­le­gi­ums gewin­nen. Und das gelingt nur, wenn alle bei Lau­ne gehal­ten wer­den (lacht).
Die Freu­de am Gestal­ten ist dann die zwei­te wich­ti­ge Eigen­schaft, die man mit­brin­gen soll­te. Man soll­te sich stets von sei­nen Zie­len lei­ten las­sen und die­se dann auch im Lau­fe des Geschäfts nicht aus den Augen ver­lie­ren. Die Belast­bar­keit kommt dann noch hin­zu. Aller­dings schwin­det die­se vor dem Ange­sicht des­sen, was man bei sei­ner Arbeit zurück­be­kommt und wenn man merkt, dass das Han­deln erfolg­reich ist. Bevor ich anfing hat­ten wir eine Über­wei­sungs­quo­te aufs Gym­na­si­um von 42% und jetzt liegt die­se schon bei 52%. Das ist inner­halb von drei Jah­ren erreicht wor­den.