08.06.2022
Vortrag „Bozkurt, Wölfe, idealistische Jugend. Die faschistischen Grauen Wölfe in der interkulturellen Pädagogik“

Auch für aus migran­tisch gepräg­ten Fami­li­en stam­men­de Jugend­li­che kön­nen faschis­ti­sche Bewe­gun­gen eine inter­es­san­te Jugend­kul­tur dar­stel­len. Beson­ders aktiv in der Jugend­ar­beit sind in Deutsch­land die aus der Tür­kei stam­men­den Grau­en Wöl­fe, als Selbst­be­zeich­nung auch „Ülkü­cü Gençlik“
(Idea­lis­ten-Jugend) genannt. Ihre Vor­stel­lun­gen der Über­le­gen­heit tür­ki­scher oder tura­ni­scher Völ­ker ist deut­schen Vor­stel­lun­gen des Ari­er­tums sehr ähn­lich. Ihre Orga­ni­sa­tio­nen exis­tie­ren in Deutsch­land seit Jahr­zehn­ten und haben nach Schät­zun­gen in Deutsch­land rund 18.000 Mit­glie­der, rund drei­mal mehr als die NPD.

Der Umgang mit Ras­sis­mus und rechts­ex­tre­men Vor­stel­lun­gen kann für päd­ago­gi­sche Mitarbeiter*innen in Kon­tex­ten, in denen sie sich weni­ger gut aus­ken­nen oder in denen sie sich selbst als Außenseiter*innen in dem Kon­flikt wahr­neh­men, schwie­rig sein.
Oft­mals gibt es über­haupt das Pro­blem die­se Grup­pen und ihre Codes zu erken­nen. Aus­ein­an­der­set­zun­gen suchen die zuge­hö­ri­gen Jugend­li­chen zumeist auch weni­ger mit den päd­ago­gi­schen Mitarbeiter*innen, son­dern eher mit ihren erklär­ten Fein­den, wie bei­spiels­wei­se Armenier*innen, Kurd*innen oder Linken.
Wobei es auf den ers­ten Blick wider­sprüch­lich erschei­nen mag, kann gera­de die Erfah­rung in Deutsch­land ras­sis­tisch aus­ge­grenzt zu wer­den, zu einer Hin­wen­dung zu ver­meint­lich star­ken und Gemein­schaft stif­ten­den Orga­ni­sa­tio­nen, wie den Grau­en Wöl­fen, füh­ren. Die Her­aus­for­de­rung für die päd­ago­gi­schen Mitarbeiter*innen ist es die­sen Aspekt zu ver­ste­hen, aber gleich­zei­tig das Phä­no­men den­noch als ideo­lo­gi­sche Äuße­rung, und somit auch die Jugend­li­chen, ernst zu nehmen.

In die­ser Ver­an­stal­tung soll sich dem The­ma von Grund auf genä­hert wer­den. Was ist die Ideo­lo­gie die­ser Bewe­gung? Was ihre Geschich­te und ihre Orga­ni­sa­tio­nen in Deutsch­land? Was ist eigent­lich die Geschich­te der Tür­kei und den Armenier*innen und Kurd*innen? Wie las­sen sich ihre Codes in der Jugend­ar­beit erken­nen? Was macht ihre Attrak­ti­vi­tät für Jugend­li­che aus, gera­de wo die­se doch oft selbst von Ras­sis­mus betrof­fen sind? Wel­che Ansät­ze gibt es ihnen in der Jugend­ar­beit zu begeg­nen? All die­se und wei­te­re Fra­gen, wer­den hier dis­ku­tiert werden.

Refe­rent: Pierre Asi­si, ufuq.de

 

Der Vor­trag, der auch gleich der letz­te in unse­rer Rei­he “Multi:Perspektiv — Päd­ago­gik in der Migra­ti­ons­ge­sell­schaft” ist, wur­de am 13.06.22 um 15 Uhr hier auf unse­rer Web­site als Live­stream gezeigt. Eine Über­sicht über alle Vor­trä­ge und die dazu­ge­hö­ri­gen Auf­zeich­nun­gen fin­den Sie hier.

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